Das Rahsegel

Rahsegel

Für uns ist es meistens das Segel der Wikinger und wir sind überrascht,
wenn es mal nicht rot-weiß-gestreift daher kommt.
Manchmal wissen wir noch, dass die Segelpyramiden der Windjammer aus Rahsegeln bestehen.
Wie das einfache Rahsegelrigg aufgebaut ist, soll im folgenden erklärt werden.

 

Inhalt:

1. Geschichte

2. Aufbau

2.1. Im Text

2.2. In Bild und Text

2.3. Im Bild

Geschichte

Das Rahsegel ist es ein sehr alter Segeltyp, der sehr früh schon bekannt war. Im Mittelmeerraum führten Phönizier, Ägypter, Griechen und später die Römer dieses Segel auf ihren Schiffen und entwickelten es.
Wie genau das Rahsegel in den europäischen Norden kam, ist noch nicht endgültig geklärt. Die Römer brachten es auf ihren Schiffen jedenfalls bis in den Südosten der Britannischen Insel und in die Mündungen von Schelde, Rhein und Weser. Dort sahen es die Sachsen und Angeln, die wenig später noch in offenen, geruderten Booten nach England aufbrachen (3.-7. Jahrhundert).
Die Wikinger, ebenfalls Nordgermanen, wie Sachsen und Angeln, führten dann, nur einen Augenblick der Geschichte später (im 8. Jahrhundert) , das Rahsegel auf ihren Booten und beherrschten es so meisterhaft, dass die „Drachenschwingen“ in ganz Europa gefürchtet wurden und die Nordmänner sogar bis nach Nordamerika trugen.
Das ganze Mittelalter hindurch hielt es sich auf namenlosen kleinen Booten, Kogge, Holk, Nef, Nao, Karavelle und Karacke, bis es, zuerst auf den kleineren Fahrzeugen, allmählich von einem ganz neuen Segeltyp verdrängt wird, dem Sprietsegel.

Aufbau       

Im Text

Das mehr oder weniger rechteckige Rahsegel ist mit seiner Oberkante an einem Rundholz befestigt. Das Rundholz ist die Rah; sie hält das Segel offen. Außer an der Rah ist das Segel nicht weiter am Mast oder an einem Stag befestigt. Es kann frei um die Vorderseite des Mastes bewegt werden.
Die Rah mit dem Segel wird auf der Vorderseite des Mastes gesetzt. Dazu läuft ein Seil (das Fall, Drag), das in der Mitte der Rah fest geknotet wird, hinauf zum Mast, dort durch den sogenannten Hummer (ein Loch längs durch den Mast, mit oder ohne Scheibenführung) und wieder hinunter ins Boot zum Holepunkt, einem gewählten Befestigungspunkt in einem Raum achterlich des Mastes.
Um das Segel so zum Wind stellen zu können, dass es auf dem jeweiligen Kurs seine Zugkraft entwickelt, gibt es mehrere Trimmleinen.
Die Rah selbst kann an beiden Enden (den Rahnocken) mit einer Brasse bewegt werden, die ebenfalls in einen Raum achterlich des Mastes hinunterführt und dort belegt werden kann.
Am Mast wird die Rah durch das Rakk gehalten. Es ist zu beiden Seiten des Mastes an der Rah befestigt, führt hinter dem Mast herum und verhindert, dass die Rah nach vorn ausgeweht wird. Auf der Rückseite des Mastes sitzt dazu meist ein Bügel aus Holz (Bügelrakk, bei kleineren Booten) oder eine oder mehrere Leinen mit aufgezogenen Holzkugeln (Kugelrakk, meist bei größeren Fahrzeugen), die verhindern sollen, dass sich das Rakk beim Setzen oder Niederholen verklemmt.
Am Rakk auf der Hinterseite des Mastes ist meist noch eine Leine befestigt, die hinunter ins Boot läuft, der Niederholer, der das Herunterziehen von Rakk und Rah erleichtert und bei gesetztem Segel und achterlichem Wind als zusätzliches Achterstag im Achterschiff befestigt werden kann.
Etwa in der Mitte der Seitenliken des Segels setzen Leinen an, die das jeweilig vordere Lik in Richtung Bug oder Vorstag stützen, da es sonst durch den einkommenden Wind umgeschlagen würde. Sie heißen Bolinen. Das vordere Lik soll damit eine stabile Anströmkante bekommen.
Jeweils genau in den unteren beiden Segelecken (den Schothörnern) setzen zwei Leinen an, deren Aufgaben wechseln, je nachdem ob sie sich in Luv oder Lee (vorn oder achtern) befinden.
Die vordere, sich gerade in Luv befindende Segelecke nennt man Hals, die Leine daran in diesem Fall Halsleine. Der Segelhals wird mit der Halsleine an einem Punkt entlang der vorderen Luvreling befestigt, meist auf einem Belegnagel, um ihn schnell los zu bekommen.
An der jeweils achteren, in Lee befindlichen Segelecke, sitzt die Schot. Eine Leine, mit der man die Ecke heran ziehen, das Segel dicht holen kann, damit eine optimale Stellung zum Wind erreicht wird. Die Schot ist während des Segeltrimmens also beweglich, der Hals hingegen sitzt auf Am-Wind-Kursen fest. Das ganze Segel mit der Rah steht dann beinahe in Schiffslängsrichtung ausgerichtet -
anders auf Vor-Wind-Kurs, dann fällt der Hals fort (er ist gelöst) und das Segel wird mit zwei losen Schoten vor dem Wind gehalten. Rah und Segel stehen dabei quer zur Schiffslängsrichtung.
Am Unterlik setzt eine Leine an, die oft noch geteilt wird und in mehreren nebeneinanderliegenden Punkten auslaufen kann. Man nennt sie Mittelschot. Ihr loses Ende wird bei Bedarf, zum Herausziehen des Segelbauchs und Abflachen des Profils, in der Nähe der Schiffsmitte (um den Untermast, den Segelbalken oder in den Bootsseiten) fest gemacht.
Um das Segelprofil und damit den Druck im Segel mit einem Mal zusammenbrechen zu lassen und damit zum Beispiel eine gefährliche Krängungslage zu beenden oder auch, um Profil und Druck gezielt zu steuern, ist in der ungefähren Segelmitte eine weitere Leine befestigt. Mit ihr kann man die Segelmitte bis an den Mast heranziehen. Diese Leine wird Handreff genannt. Dieses Handreff kann auch an mehreren Punkten auf der Hinterseite des Segels sitzen. Zum Beispiel jeweils im vorderen Drittel auf mittlerer Segelhöhe, da dort die höchsten Drücke auftreten.
Der Mast, an dem das Segel hoch gezogen wird, sitzt unten in einem Mastfuß (Mastschuh, Mastspur) und wird in mindestens drei Richtungen von im Masttop ansetzenden Leinen gestützt. Die Wanten stützen den Mast seitlich, zur Reling hin und die Stagen nach vorn und achtern, jeweils zum Vor- oder Achtersteven. Sind die Wanten ein wenig nach achtern gesetzt, wird bei jüngeren Fahrzeugen meist auf den Achterstag verzichtet und an seiner Statt bei Bedarf das Segelfall und/oder der Rackniederholer achterlich fest gemacht.

In Bild und Text       

SegelbefestigungBefestigung der Segeloberkante (Oberlik) am Rundholz (Rah);
die Befestigungsbändsel heißen Zeising.

 

Außer an der Rah ist das Segel nicht weiter am Mast
oder an einem Stag befestigt.

Befestigung der Rah mit dem Rakk

Am Mast wird die Rah durch das Rakk gehalten.
Das Fall (Seil zum Aufziehen des Segels)
ist in der Mitte der Rah fest geknotet
und verläuft parallel zum Mast nach oben.

 

Stand des Segels und Hummer

Die Rah mit dem Segel wird auf der Vorderseite des Mastes gesetzt.
Dazu läuft das Fall hinauf zum Mast, dort durch den sogenannten Hummer
(ein Loch längs durch den Mast, mit oder ohne Scheibenführung) -

 

Beim Holen des Falls

Fallbefestigungspunkt

- und wieder hinunter ins Boot zum Holepunkt,
einem gewählten Befestigungspunkt
in einem Raum achterlich des Mastes.

 

 

Der Niederholer

 

Am Rakk auf der Hinterseite des Mastes ist meist noch eine Leine befestigt,
die parallel am Mast entlang, hinunter ins Boot läuft - der Niederholer.

Die Boline zum Ausstrecken des Vorlieks

An den Seitenliken des Segels setzen Leinen an, Bolinen genannt,
die das jeweilig vordere Lik in Richtung Bug stützen,
da es sonst durch den einkommenden Wind umgeschlagen würde.

 

Jeweils genau in den unteren beiden Segelecken (den Schothörnern) setzen zwei Leinen an, deren Aufgaben wechseln, je nachdem ob sie sich in Luv oder Lee (vorn oder achtern) befinden.

HalsbefestigungDie vordere, sich gerade in Luv befindende Segelecke nennt man Hals,
die Leine daran in diesem Fall Halsleine.
Der Segelhals wird mit der Halsleine an einem Punkt
entlang der vorderen Luvreling befestigt,
meist auf einem Belegnagel,
um ihn schnell los zu bekommen.

Die Schot

 

 

An der jeweils achteren, in Lee befindlichen Segelecke, sitzt die Schot.
Eine Leine, mit der man die Ecke heran ziehen,
das Segel dicht holen kann,
damit eine optimale Stellung zum Wind erreicht wird.
Die Schot ist während des Segeltrimmens also beweglich,
der Hals hingegen sitzt auf Am-Wind-Kursen fest.

Steuerbordschot

Backbordschot

Anders auf Vor-Wind-Kurs,
dann fällt der Hals fort (er ist gelöst)
und das Segel wird mit zwei losen Schoten
vor dem Wind gehalten.
Rah und Segel stehen dabei quer zur Schiffslängsrichtung.

 

Mittelschotbefestigung am Unterliek

Am Unterlik setzt eine Leine an,
die oft noch geteilt wird und in mehreren
nebeneinanderliegenden Punkten auslaufen kann.
Man nennt sie Mittelschot.

Handreff in der Segelmitte


In der ungefähren Segelmitte ist eine weitere Leine befestigt.
Mit ihr kann man die Segelmitte bis an den Mast heranziehen.
Diese Leine wird Handreff genannt.

Mastfuß

 

Der Mast sitzt unten in einem Mastfuß (Mastschuh, Mastspur) und wird
in mindestens drei Richtungen von
im Masttop ansetzenden Leinen gestützt.

Wanten und Stage

Die Wanten stützen den Mast seitlich, zur Reling hin.

Die Stagen nach vorn und achtern, jeweils zum Vor- oder Achtersteven.
Sind die Wanten ein wenig nach achtern gesetzt,
wird bei jüngeren oder kleineren Fahrzeugen meist auf den Achterstag verzichtet.

 

eingebundenes SegelObere Reffleiste

 

 

 

 

 

Mit den Reffbändseln bindet man das Segel ein, wenn die Segelfläche verkleinert (gerefft) wird.

Danke an Kai – Erik Ballak vom haithabu-tagebuch für sein geschultes Auge
und die Bereitstellung der meisten, der verwendeten Fotos.

Im Bild

Aufbau des Rahsegelriggs - Gesmtansicht

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 09. September 2012 um 13:45 Uhr