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Steven eines WikingerschiffsWikingerboote haben eine ungebrochene Faszinationskraft.
Die Fahrten der Nordleute mit ihren einzigartigen Booten, ob Drachen, Schnicke oder Knarr, sind legendär. Die Boote verbindet eine unverwechselbare Form, konstruktive Geradlinigkeit, genaue Materialkenntnis und handwerkliches Können. Sie sind extrem leicht, biegsam und dabei doch stark. Sie sind schnell. Rumpf, Segel, Riemen und Steuer sind perfekt aufeinander abgestimmt und funktionieren hervorragend. Nicht selten erreicht man am Wind mit dem Rahsegel Winkel deutlich unter 60°.
So ein Schiff war damals eine Hightech-Maschine, vergleichbar mit einem Airbus A 380 heute.
Es gab und gibt immer wieder Versuche diese Boote nachzubauen.
Dabei entstehen Wikingerboote und „wikingerBoote“.

Eine Möglichkeit

Die Wikinger bauten ihre Boote aus gewachsenem Krummholz (Steven, Spanten, Keipen, Knie) von verschiedenen Hölzern (Kiefer, Eiche, Birke). Die Planken wurden aus frisch gefällten, ganzen Stämmen herausgespalten und mit dem Beil bearbeitet. Die Axt bzw. das Beil waren auch die wichtigsten Werkzeuge, neben allerlei speziellen Hobeln, Beiteln, Bohrern und Hammern. Eine Säge verwendete man damals im Norden wenig für die Holzbearbeitung.
Das hat ganz spezielle Auswirkungen auf die Dimensionierung und Formgebung der Einzelteile. Diese Praxis, verbunden mit dem eigenen Gestaltungswillen der Nordleute, hat das Erscheinungsbild der Wikingerboote bestimmt. Es gibt Rekonstruktionen von Bootsfunden aus der Wikingerzeit, die dieser Praxis genau folgen. Das Wikingerschiffsmuseum in Roskilde (Dänemark) hat eine Reihe solcher 99 %-iger Nachbauten verwirklicht. Hut ab!

Havhingsten

Havhingsten fra Glendalaugh - Foto:© Werner Karrasch, Rosklide

Zweite Möglichkeit

Fantasie-WikingerWird nur die äußere Form gesehen –
Materialkenntnis und handwerkliches Können haben wir ja selbst,
viel moderner und damit zwangsläufig auf einem höheren Niveau,
liegen doch mehr als 1000 Jahre Fortschritt hinter uns!

– dann entstehen Boote, die auf merkwürdige Weise nicht nur
nicht so aussehen, sondern sich auch ganz anders verhalten.


Fantasie-Wikinger
Von Kunststoffen mal ganz abgesehen,
geht’s bei den Planken los - sind sie aus gesägtem Holz,
müssen sie dicker sein, um die gleiche Festigkeit zu erreichen.
Bordleisten und Wegerungen müssen dem angepasst werden,
die Spanten werden aufgrund der größeren Spannungen stärker dimensioniert.
Trotzdem reißen die Planken, die Boote werden schwer,
wirken massiv und haben eine veränderte Schwimmlage.

Ganz schnell wird aus einem Traum eine Gurke.
Dann hilft auf Dauer nicht mal der verliebte Blick.

Dritte Möglichkeit

Fantasie-WikingerEs existiert noch ein weiteres Rezept für ein „wikingerBoot“.
Man nehme irgendein altes, möglichst klinker-gebautes Boot
– seit den 1880-iger Jahren baut man Boote in einer Technik,
wie sie uns noch heute geläufig ist
– setzt ein Rahsegel darauf,
baut ein Seitenruder an und guckt, was passiert.

Nicht, dass dabei nicht schöne Boote entstehen können,
nur eben keine Wikingerboote.

Aber man kann gut darauf Wikinger spielen, wenn's gelingt.

Vierte Möglichkeit

Kirchenboot vom Osterfjord - NorwegenWikingerboote waren Rahsegelboote und
letztere lebten länger, als die Wikinger selbst.
Formen und Bautechniken der Rümpfe
haben sich verändert, das Rahsegelrigg kaum.
In Skandinavien sind heute noch
eine ganze Menge Originale
und detailgetreue Nachbauten in Fahrt.

Eine gute Gelegenheit dem Seefeeling eines Wikingers nachzuspüren,
ohne gleich in die Rolle eines stævnsmeden
(Schiffbaumeister der Wikinger) schlüpfen zu müssen,
Bäume zu spalten und Krummholz zu behauen.

Doch nochmal Klartext: Ist kein Wikinger, aber segelt wie einer.

Zwischen Authentizität und Fantasie gibt es viele Möglichkeiten sich als Wikinger zu fühlen, aber es gibt letztlich nur einen Weg, ein e c h t e s Wikingerboot zu bauen. Wir sind gezwungen in allem – bei der Holzauswahl, der Verwendung der Werkzeuge, Bautechniken und Verbindungsmittel die Entscheidungen und Beweggründe der alten Bootsbaumeister zu übernehmen und zu verstehen.

Wie finde ich als Selbstbauer zu einer Entscheidung? - Vorträge und Seminare zum Thema gibt's auf: www.kurswerkstatt-online.de

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 09. Februar 2014 um 15:27 Uhr