Bootsbauprojekt Nordlandsboot hält freie Parten

Nordlandsboot in FahrtWenn jemand vor langer Zeit auf dem Fischland-Darss - meiner Heimat - ein Schiff bauen lassen wollte, das für seinen Geldbeutel zu groß war, gab er sogenannte Parten (Anteile) aus und suchte sich Partner. Diese waren dann direkt am Gewinn, den das Schiff einfuhr, beteiligt.
An meinem Schreibtisch entsteht seit Oktober 2010 die Zeichnung eines Nordlandbootes. Sie ist jetzt fertig und bildet die Grundlage meines Planes,
solch ein Boot nachzubauen.
Auch für mich ist dieses Boot eine Nummer zu groß,
deshalb begebe ich mich hier auf Parnersuche.

 

Über das Boot ...       

Betrachtet man die langgestreckte Küste Norwegens von Süden nach Norden, versteht man, dass die Fischerei eine wichtige Ergänzung zur spärlichen Landwirtschaft in den Fjorden und Tälern war. Die schroffe, felsige Küste direkt am Atlantik hat erhebliche Anforderungen an die Seetüchtigkeit der Boote und den Wagemut der Besatzungen gestellt. Funde aus der Wikingerzeit zeigen, dass diese Bootstypen schon sehr früh in ihrer Form entwickelt waren. Die nordnorwegischen Bootstypen zeigen insbesondere, wie verbreitet und praktikabel das Rahsegel gewesen ist.
Das Nordlandsboot ist für die Fischerei bei den Lofoten gebaut. Diese hatte ihren Höhepunkt in der letzten Hälfte des 19. Jhd. Die Lofotfischerei erforderte gute und seetüchtige Boote, die sich bei allen Wetterverhältnissen behaupten konnten. Sie sollten sich vom Land frei segeln können, wenn ein plötzlicher Sturm von See her aufzog. Die Einführung von gedeckten Fahrzeugen mit Gaffelrigg vermochte die offenen rahsegelgeriggten Boote nicht zu verdrängen. Erst da man begann mit motorgetriebenen Booten zu fischen, verschwand das Nordlandsboot von den Fangplätzen.
Nordlandsboote wurden in mehreren Größen mit unterschiedlichen Bezeichnungen gebaut, je nach Anzahl der Räume (Ruderbänke). Die größten Boote waren Åttring mit 4 - 5 Räumen und Fembøring mit 6 - 8 Räumen. Die kleineren Åttringer wurden für die Leinenfischerei, die größeren für die Fischerei mit Netzen verwendet. Das Nordlandsboot hatte, wie die Wikingerschiffe, nur einen Mast und führte ein trapezförmiges Rahsegel. Die größeren Boote konnten außerdem ein kleines Topsegel führen und achtern mit einem (abnehmbaren) Bootshaus versehen werden, wenn sie jedes Jahr im Januar auf die lange Fahrt zu den Lofoten gingen.

auslaufende Nordlandsfischerboote

Silhouette NordlandsbootHauptabmessungen:
Größenordnung: großer Åttring
Länge: 10,77m
Breite: 2,55m
Seitenhöhe: 0,95m
Tiefgang: 0,65m
Anzahl Ruderplätze: 10
Segelfläche: 32m2
Fahrt mit Segel: bis zu 12kn
Fahrt mit Rudern: bis zu 3,5kn
Besatzung: 5-6 Leute

Über den Bau ...       

Ablauf
Nachdem der Bauplatz ausgesucht und eingerichtet ist, werden Kiel und Steven zugerichtet und das Lott, das beide miteinander verbindet, aus einem krumm gewachsenen Ast- oder Wurzelstück herausgehauen. Kiel, Lotte und Steven werden mit einer senkrechten Schräglasche zusammengefügt und auf Pallklötze gesetzt. Wenn die Steven aufgerichtet sind, kann man mit dem Aufplanken beginnen. Der erste Gang, die Kielplanke, wird angepaßt und der Lagewinkel mit einem Winkelmesser kontrolliert. Die Kielplanke wird befestigt und mit dem nächsten Gang fortgefahren. Wenn die ersten drei Plankengänge, die Bodengänge, aufgesetzt sind, werden die Bodenwrangen eingebaut. Danach folgen die nächsten drei Plankengänge - der Rem. Das Boot wurde zu diesem Zeitpunkt als fertig aufgeplankt angesehen.

Querschnitt
Die Bordleiste, Essingen, die in einem Stück von Steven zu Steven reicht, wird jetzt inwendig auf die oberste Planke gelegt und befestigt. Daraufhin werden die Auflanger und die kräftigen v-förmigen Spanten an den Enden des Rumpfes eingesetzt.
Nachdem die endgültig letzte Planke des Runpfes, das Ripebord, angebracht ist, werden die Biten (kniegeformte Querbalken) eingesetzt.
Die Planken werden mit Klinknagel und Scheibe zusammengefügt, Spanten und Planken mit Holznägeln. Abschließend wird das Waschbord mit dem Dollengang aufgesetzt und das Boot ist beinahe fertig. Ganz zuletzt werden noch die Bodenbretter, Sitzbretter, Ruder, die Öskelle und der Kajütaufsatz, sowie natürlich Mast und Rah gefertigt.
Dann fehlt nur noch das Segel. Aber das ist eine andere Geschichte.
Nordlandboote werden gewöhnlich ganz aus Fichte gebaut. Für den Bau dieses Bootes wird Eiche (Kiel, Lott, Steven), Lärche (Beplankung) und Kiefer (Spanten, Bieten, Ruder) verwendet. Nur der Mast und die Rah werden aus Fichte gemacht.


Riss des Nordlandsbootes in der Perspektive

 

Über die Kosten und die Aufteilung der Parten...

Die Kosten sind im Folgenden nicht zu knapp geschätzt. Ich habe das Bootsbaumaterial inklusive Takelage aufgelistet. Wer genau hinschaut, wird Mast und Rahen vermissen. Diese Teile kann ich ohne Barzahlung bekommen – meine ich.
Dazu kommen diverse Ausrüstungsteile. Auch hier könnte die Liste weiter geführt werden, denn über notwendige Navigationsmittel, ein Rettungsfloß und einen kleinen, feinen Bootsofen habe ich noch nicht genau nachgedacht. Aber ich denke das sind Zusatzausrüstungen, die für bestimmte Fahrtziele notwendig sind oder die Stimmung an Bord heben können. Darüber zu verhandeln ist noch keine Zeit.

Anz. Länge Breite Dicke Art Preis Übertrag Bemerkungen
unters. unters. unters. 25 Lärche 1.703,62 €
Beplankung
8 2300 200 52 Fichte 114,82 €
Duchten
48 800 200 25 Fichte 115,20 €
Plichten
2 8100 52 45 Kiefer 22,74 €
Langise
2 12000 60 45 Kiefer 38,88 €
Remlist
2 8000 104 50 Kiefer 49,92 €
Dollbord
4 1500 250 85 Kiefer 92,44 €
Wrangen
1 6000 180 150 Eiche 315,90 €
Kiel
2 1600 300 65 Eiche 121,68 €
Stevenköpfe
5 5000 290 85 Kiefer 407,96 €
10 Riemen
unters. unters. unters. unters. unters. 1.000,00 €
Krummholz für Spanten, Knie und Lotte
unters.



866,00 €
1/3 Zuschlag für Preisschwankungen insges.
unters.



500,00 €
für Hilfsmaterial
unters.



600,00 €
Teer/Öl
unters.



800,00 €
Befestigungsmittel
unters.



900,00 €
Tauwerk Gesamtposten
4



860,00 €
Wantblöcke
1



2.500,00 €
Segel





Material: 11.009,16 €
1



690,00 €
Anker 100kg
1



399,00 €
Anker 50kg
2



150,00 €
Kettenvorläufer
10



1.300,00 €
Rettungswesten
1



477,80 €
Seenotcontainer (Rettungsmittelkollektion)





Ausrüstung: 3.016,80 €





Summe: 14.025,96 € Netto





Summe: 16.690,89 € Brutto

Die Besatzung eines Bootes dieser Größe bestand aus 5-6 Leuten. Um zu den meisten Veranstaltungen einer Saison genügend Besatzungsmitglieder zusammen zu bekommen, genügend Leute für das Slippen und andere größere Aufgaben zur Verfügung zu haben, sollte die gesamte Bootsgruppe mindestens aus der dreifachen Besatzungsstärke bestehen. Danach kann die Partnerschaft aus 18 Partnern bestehen. Die folgende Tabelle zeigt auf einen Blick, wie sich die Höhe der Part von 1 - 18 Teilhabern entwickelt.

Kosten Anzahl der Partner Höhe der Parten
16.700,00 € 1 16.700,00 €

2 8.350,00 €

3 5.566,67 €

4 4.175,00 €

5 3.340,00 €

6 2.783,33 €

7 2.385,71 €

8 2.087,50 €

9 1.855,56 €

10 1.670,00 €

11 1.518,18 €

12 1.391,67 €

13 1.284,62 €

14 1.192,86 €

15 1.113,33 €

16 1.043,75 €

17 982,35 €

18 927,78 €

Ich bin noch dabei es weiterzuentwickeln.
Der Wert eines Segeltages muss festgelegt werden, damit ein Verhältnis zwischen Preis und Leistung fassbar wird.

Über die Möglichkeiten sich am Gewinn zu beteiligen...       

Unter "Gewinn" ist natürlich nichts geschäftliches, im Sinne von vielleicht - Mehrwert, zu verstehen. Jedenfalls nicht ausschließlich. Ich glaube, hier erscheint der Begriff feiner nuanciert, eher als eine Art Wertschöpfung.
Der Kern meiner Idee ist - mit den Parten (den eingezahlten Anteilen) Nutzungsrechte zu verknüpfen.
Die Partner könnten, nach gegenseitiger Absprache:

  • Mitsegeln - Man schließt sich einfach einer Fahrt an, denn oft genug kommt es vor, dass für eine geplante Reise nicht genügend Mitsegler verfügbar sind, oder man hat einfach Spaß am gemeinsamen Segeln.
  • selbst Fahrten organisierten und durchführten - Wen seit langem ein Reiseziel nicht mehr loslässt, wen es mit Kraft an einen Ort zieht, kann sich diesen Traum erfüllen, kann seine Reise planen, eine Mannschaft zusammenstellen und lossegeln.
  • das Rah-Segeln erlernen - Aus der Sicherheit einer Fahrtgemeinschaft ist das sicher einfacher, allmählich Kenntnis zu gewinnen und selbst zu bestimmen, wieviel man sich zumuten möchte.
  • das Nutzungsrecht teilen - Wer seine Freunde oder seine Familie mit auf Reisen nehmen will, brauch nicht extra zu zahlen. Die "gebuchten" Plätze werden einfach als Schuldminderung angerechnet.
  • Gäste gegen Bezahlung an Bord nehmen - Damit hat der Geber in gewisser Weise die Chance sich schadlos zu halten. Um einen festzulegenden Anteil schmälert das auch die Schuld des Nehmers.
  • die Rechte ganz an Dritte abtreten - Verbindet man z.B. einen Segeltag mit einem ganz bestimmten Gegenwert, damit nachvollziehbar ist, wie sich die Schuld entwickelt, sollte auch dies möglich sein.

Über die Aussichten...

Ein Nordlandsboot und gerade ein großer Nordlandsåttring ist für die rauen Verhältnisse auf dem Nordatlantik gebaut.
Mit solch einem Boot kann man tausend traumhafte Plätze anlaufen, ohne fehl am Platz zu wirken. Die sandigen Buchten und verwirrende Inselwelt der Schären in der Ostsee ebenso, wie die endlosen, windgepeitschten Dünen der dänischen Nordseeküste oder die aufragende, felsige Küste Norwegens.

Färöer über dem HorizontMein persönlicher Traum ist - die steilen Felskolosse der Färöer-Inseln mit ihren sanft abfallenden, grünen Rücken unvermittelt aus dem nördlichen Meer auftauchen zu sehen.
Ein Ziel, auf das man lange Zeit hat, hin zu fiebern - den ganzen Weg über die Nordsee lang. In einer Weise, wie es sicher schon die Wikinger taten und die heute vielleicht als hilflos angesehen wird - so ohne ein gemütliches Sofa unter Deck und einem kräftigen Motor darunter und allem, was man so braucht, um Wetter, Wind und Wasser nicht allzu nah herankommen zu lassen.
Die sollen sich von der besten Seite zeigen, wenn wir mal hinausgehen, um sie zu betrachten und immer schön und fotogen. Nein – ich weiß, das ist ein Klischee. Auf der offenen See hat jeder zu kämpfen und nicht jeder schätzt Mut und Wahnsinn gleichermaßen ein.

Aber die Verbindung zu den Inseln im nördlichen Meer fasziniert mich noch aus einem anderen Grund - und dabei betätige ich mich gern als Historien-Detektiv:

Ab 999 werden die Färöer-Inseln christianisiert und spätestens seit der endgültigen Durchsetzung der katholischen Kirche um 1035 gehören die Inseln, ebenso wie Roskilde (DK), Trondheim (N), Uppsala (S), Gardar (Grönland), Skálholt (IS) zum Erzbistum Hamburg-Bremen, ab 1104 dann zu Lund, welches eben da aus der Metropolie Bremen-Hamburg ausgegliedert wurde. Um so einen umfangreichen Machtbereich zu verwalten, bedurfte es sicher eines regen Schiffsverkehrs. Der Weg über die Nordsee in den Atlantik war also eine viel genutzte Verkehrsverbindung.

Was suchten die Leute damals dort oben? Die paar Kirchenpiepen? Oder begannen sie zu ahnen, dass hinter dem Wasser noch mehr war und die Inseln nur ein Sprungbrett?

Weltbild zur Zeit Adams von Bremendescriptio insularum Aquilonis. In diesem Buch beschreibt Adam von Bremen die Inseln der Nordsee und des Polarmeeres. Adam ist ein Zeitgenosse des dänischen König Sven Estridson und sie sind sich begegnet. Der weitgereiste König kannte die Mitternachtssonne der Polarländer, Halogland, die Insel Thule, Grönland und sogar von Vinland hatte er gehört. Adam baut das in seine Geographie mit ein. Das ferne Weinland lokalisiert er nicht näher, er sagt nur, es sei eine Insel im Ozean und er setzt hinzu, denn er bleibt Domscholastiker: Hinter Weinland gibt es keine bewohnte Erde mehr, sondern Eis und Nacht füllen alles. Dort am Ende der Welt gähnt ein furchtbarer Strudel.
Hört sich interessant an – oder?

Naturhafen auf den FäröernInteressant ist für mich die Frage, wie es einem offenen Rahsegelboot so gelingt,
über die weite Nordsee zu kommen, an den Shetlands vorbei bis zu den Färöer-Inseln.
Ich möchte diese Verbindung erkunden und sehen, was man am Ende finden kann
– heute und vielleicht damals.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 26. Juni 2012 um 21:44 Uhr