Bootsbau in Haithabu

Wikingerhandwerker auf dem Freigelände des Wikinger MuseumsIm Wikinger Museum Haithabu wird dem auf historischem Grund der einstigen Hafenstadt wieder ein originaler Schiffsbauplatz errichtet.

Vom 01.04. bis zum 31.10.2014 wird dort ein Boot gebaut, das nicht der Welt der Wikinger entstammt, aber dennoch - mit aller Kunstfertigkeit der alten Stevenschmiede zusammengefügt - wie ein Wiedergänger erscheinen wird.

A boatbuilding project in Haithabu

On the site of Haithabu Viking Museum, a boat building place will be established not far from the disappeared wharves and shipyards of the early port city.

From 1-th of April to 31-th of October 2014 a boat will be built, which is not a genuine Viking ship, but built with all the skill of the ancient boat builders. So that it will look like a reincarnation.

Logo WMHDas Projekt „Teinæringr“ Zehn Ruderer) wurde für das - und in Zusammenarbeit mit dem Wikinger Museum Haithabu entwickelt.

 

In Haithabu ist Wikingerzeit ...

HolzhandwerkerIm Freigelände des Wikinger Museums wird gezeigt, wie man sich das Leben in einer Stadt zur Wikingerzeit vorstellen kann. Hier kann man entdecken, wie und wozu die Wikinger all die Dinge gebraucht haben, die von den Archälologen aus der Erde geborgen wurden.
Wir errichten an diesem Ort einen historischen Bootsbauplatz und wollen damit die Bedeutung von Schiffbau, Schifffahrt und Hafen für die Handelsstadt Haithabu greifbar machen.

Die Handwerker

"... en þar váru margir aðrir at: sumir at fella, sumir at telgja, sumir saum at slá, sumir til at flytja viðu."

... es waren dort viele Leute bei der Arbeit: einige das Holz zu fällen, einige es zu zuzimmern,
einige Nägel zu schlagen und einige um das Holz heran zu holen."

- Textausschnitt aus der "Heimskringla" von Snorri Sturluson -

Teppig von Bayeux

In Haithabu ist Wikingerzeit, deshalb 'vergessen' wir, was wir gewöhnlich tun und arbeiten als Schiffszimmerer, Nietschläger und Stevenschmiede.

Holzbildhauer Axel SchulzAxel - gewöhnlich Zimmermann, Schnitzer und Holzkünstler in jeder Hinsicht -
spaltet Bäume und behaut die Planken mit dem Beil.

Benni auf der Buga-Schwerin-09

Benni - zur Zeit als bootsbauender Wandergeselle auf der Walz -
fügt die Planken und Spanten zu einem Boot zusammen.

Kai Zausch beim Bau des slawischen Seksring

Kai - baut im Heute&Hier Boote und Flugzeuge - weiß, wo die einzelnen Teile hin sollen und ist mit Axt, Hobel und Winkel-Lot überall dabei.

Nicht vergessen wollen wir unsere Unterstützer:

Opinn Skjold

Schlagkräftige Unterstützung kommt von Opinn Skjold - den Wikingern aus Haithabu.

Firma Flamm-Aerotec

Modern meets Past - diese Vereinbarung mit der Flamm-Aerotec macht die Freistellung des Vormannes für dieses Projekt möglich.

 

Die Werkzeuge

BootsbauwerkzeugeIn Haithabu ist Wikingerzeit, deshalb bauen wir das Boot nur mit den Werkzeugen, die auch die damaligen Bootsbauer verwenden konnten. Wir greifen sozusagen in die Mästermyr-Kiste* - rekonstruieren und kopieren die Werkzeugfunde von Haithabu und anderen Plätzen.
Wir glauben, genau das hilft uns ein authentisches Boot zu bauen, weil es uns davor bewahrt, moderne Lösungen zu wählen. Es zwingt uns, die Entscheidungen der alten Bootsbauer zu verstehen und nachzuvollziehen.

Die Werkzeuge wurden in der Hofschmiede von Axel Schulz nach seinen Rekonstruktionsvorschlägen angefertigt.

* Der Mästermyr-Fund wird um das Jahr 1000 datiert und stammt aus dem trockengelegten Mästermyr-Moor auf Gotland.
Er gilt mit als bedeutendste Werkzeugfund Skaninaviens aus dem frühen Mittelalter (Wikingerzeit). In der Kiste selbst und in ihrem Umfeld wurden etliche Gerätschaften zum Bearbeiten von Holz und Metall gefunden.

Die Materialien

Kennzeichnung des KrummholzesIn Haithabu ist Wikingerzeit - deshalb suchen wir in den Angeliter Wäldern zwischen Idstedt und Satrup die besten Eichen - Stämme für Kiel und Planken und jede Menge krumm gewachsenes Holz für Spanten und Knie. Das war schon in früherer Zeit in dieser Region das beste Holz für Einbäume, die Plankenboote der Fischer und Händler und für Königsschiffe.

Eichenboot mit HolzteeranstrichDie Nägel und Niete aus Eisen, die das Ganze zusammenhalten, werden vom Schmied angefertigt.
Ist das Boot fertig, wird es goldbraun glänzen, denn alle Teile werden mit gemeilertem Kiefernholzteer konserviert.
Den leichten Fichtenholzmast stützten Taue aus Walrossleder.
Das Wollsegel wird mit Leinen aus Pferdehaar gelikt und geschotet.

Logo Schleswig-Holsteinische LandesforstenDas Bauholz aus der Region vermittelten die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten über die Förstereien Satrup und Idstedtwege. Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit!

 

Die Bootsbautechnik

BootsbauplatzDie Wikinger benutzten einfaches Handwerkzeug, fertigten keine Zeichnungen und Berechnungen an. Sie stützten sich auf eigene, wie überlieferte Erfahrungen, lokale Traditionen und das geübte Augenmaß. Dennoch bauten sie schöne, schnelle und sehr seetüchtige Segel- und Ruderboote, deren legendärer Ruf bis in unsere Zeit reicht.
Ihre Art Boote zu denken und zu bauen, kann man mit keiner heutigen Technik vergleichen.
Die alten Bootsbauer waren hervorragende Beobachter und Konstukteure. Sie waren in der Lage, eine leichte, in sich tragende Plankenhülle zu formen - nach den Vorstellungen von den Eigenschaften, die das Schiff bekommen sollte. Sie
konnten die Bootsform an unterschiedliche Naturgegebenheiten oder die Art der geplanten Nutzung anpassen.
Wie das gehen soll, ohne Zollstock, Winkelmesser und Wasserwaage?

Wir machen es, denn in Haithabu ist Wikingerzeit.

 

Trotzdem kein Original ...

Das Haithabu Langschiff im Wikinger MuseumRichtige Wikingerschiffe sind nicht mehr vollständig erhalten. Die Überreste, die von Archäologen geborgen werden konnten, werden in Museen sicher aufbewahrt.
Die Wikingerschiffe, die heute wieder auf den Meeren unterwegs sind, sind Nachbauten. Entweder hat man die Überreste aufwendig geborgen, wissenschaftlich untersucht und am Ende zu einem 1:1 Modell rekonstruiert, oder man hat so eine Rekonstruktion einfach kopiert.

Wir wollen nicht den x-te Nachbau eines der wenigen Originale anfertigen, denn jedes dieser Schiffe/Boote ist für ein ganz bestimmtes Fahrtgebiet, für einen ganz bestimmten Zweck gebaut worden und bei weitem noch nicht alle sind genau rekonstruiert.

Boot vor der historischen LandungsbrückeWir wollen ein Boot für Haithabu und die Schlei bauen.

Ein sichtbar authentisches Boot, das in der Wikingerzeit vielleicht zum Fischfang, zum Transport von Personen oder regionalen Handelsgütern benutzt wurde. Aber auch ein Boot, das für Fahrten mit Besuchern hier und heute gebraucht werden kann.

Ein Boot für Alle, die erfahren wollen, was Segeln und Seemannschaft zur Wikingerzeit ausmacht.

Zeichnung TeinæringrZehn Ruder für Haithabu:

Typ: Teinæringr (altnord. Zehnruderer)
Original: kein
Kategorie: Konstruktion
Länge: 9,13 m
Breite: 2,05 m
Seitenbordhöhe: 0,67 m + 0,14 m (Kiel)
Raumzahl: 5
Riemenanzahl: 10
Segelfläche: 18 m2
Besatzung: 5 - 12 Leute

So wie "Gyda" - ein norwegischer Nachbau des Skuldelev 6 - Fundes (auf dem Foto unten) kann man sich den Zehnruderer in Wirklichkeit vorstellen.

GYDA

 

Wir experimentieren ...

Die Idee zu diesem Boot ist am Zeichentisch entstanden. Der Grund dafür ist, dass keines der sicher zahlreichen kleinen Arbeitsboote bisher gefunden wurde, die zur Wikingerzeit auf der Schlei und den angrenzenden Nooren unterwegs waren, um zu fischen, regionalen Handel zu treiben oder Leute überzusetzen.

Dass ein Boot konstruiert wird, ist eigentlich nicht so ungewöhnlich, denn auch archäologische Funde sind nie vollständig erhalten. Je weniger von einem Bootsfund erhalten geblieben ist, desto fließender werden die Grenzen zwischen Rekonstruieren und Konstruieren. Ein gutes Beispiel dafür ist das Wrack 3 aus dem Hafen von Haithabu.

Rekonstruktionszeichnung Haithabu Wrack 3Haithabu Wrack 3

 

 

 

 

In unserem Fall gibt es keinerlei materielle Spuren. Wir haben nichts, was wir vermessen und neu abbilden können.

Wir müssen die Materie von Beginn an neu zusammensetzen.

Arbeitsmodell im Maßstab 1:10Konstruktionsmodell

 

 

 


Die Forschung hat in den vergangenen Jahren viel mehr über Handwerk, Werkzeuge und Bootsbautechniken der Wikinger in Erfahrung gebracht. Man weiß, welche Materialien sie verwendet haben und warum. Man hat sogar etwas über die Regeln und Verfahrensweisen herausgefunden, mit denen damals Boote entworfen wurden.

Man kann also annehmen, dass es eine Methode gibt, mit der man eine Bootsform entwickelt hat und mit deren Hilfe man sie ohne Zeichnungen und elementare Maße reproduzieren konnte. Wir wollen diese Regeln und Verfahrensweisen im Experiment verifizieren. Wir wollen sie verstehen, entwickeln und anzuwenden versuchen.

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