Jahrhundertfund in Estland PDF

Bei Bauarbeiten sind im Ort Salme auf der estnischen Insel Ösel zwei gut erhaltene Bootsgräber gefunden worden. Als die Bagger in der Erde auf Knochenreste stießen, glaubte man zuerst auf eine Grabstätte aus dem 2. Weltkrieg gestoßen zu sein. Aber als man neben Knochenresten auch Speerspitzen freilegte, erkannten die Archäologen, dass es sich um einen wesentlich älteren Fund handeln musste.

Die anschließenden Augrabungen brachten die Reste von zwei Schiffen und 40 menschlichen Skeletten zutage. Bei den Skeletten wurden Grabbeigaben, wie Jagdfalken, Hunde, Spielsteine und Waffen geborgen.

Die Bootsgräber wurden in das zeitige 8. Jahrhundert, also in die Zeit vor der großen Wikinger-Expansion datiert. Sie gleichen nicht den bekannten Schiffsgrablegungen von Gokstad, Ladby, aus Haithabu oder dem Mälartal in Schweden. Stattdessen handelt es sich hier wohl eher um Massengräber.
Wahrscheinlich handelt es sich um skandinavische Krieger, die von der Bevökerkung der Insel Tribut eintreiben wollten, auf erbitterten Widerstand trafen und in einer gewaltsamen Auseinandersetzung den Tod fanden – vermutet der Archäologe Ragnar Saage von der Universität in Tartu. Forscher am Historischen Institut der Universität Tallin sind damit beschäftigt den Fund zu untersuchen, der in Estland bereits als Jahrhundertfund gilt.

Man fand bereits Hinweise darauf, dass das größere der Schiffe ein Segel tragen konnte. Bisher glaubte man, dass die Technik des Rahsegelriggs auf skandinavischen Klinkerfahrzeugen erst später übernommen und entwickelt wurde. Der Fund würde damit ein neues Licht auf die Zeit unmittelbar vor der eigentlichen Wikingerzeit werfen und etwas über die Beweglichkeit der Kulturen rund um die Ostsee aussagen.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 06. März 2013 um 10:19 Uhr