Bootsbau auf Wanderschaft
Sonntag, den 09. September 2012 um 15:17 Uhr

Zwerge, Iwaldis Söhne, schufen im Auftrage Lokis ein Boot, dem der Wind günstig stand, wohin immer es auch segelte, das so leicht gebaut und biegsam zusammen gefügt war, dass es in einer Tasche Platz fand, doch zugleich groß genug, alle Asen fort zu tragen.

Schiffsritzung

In der Nordischen Mythologie wird Skíðblaðnir, das Boot der Asen – Götter, als ein Fahrzeug beschrieben, das im übertragenen Sinn folgende Eigenschaften besitzt:
ein optimales Zusammenspiel von Segel, Rumpf und Steuer auf jedem Kurs, eine leichte Bauweise und damit geringes Gewicht, Flexibilität und Tragfähigkeit.

BootsbauplatzÜber Jahrhunderte entwickelten Stevenschmiede die Form der klinkergebauten Bootsrümpfe, formten sie nach ein paar Verhältnismaßen und der genauen Kenntnis von Wogen, Wind und Wasser.
Boote eines regionalen Typs zu einer bestimmten Zeit gleichen kaum einander.
Wollte jemand ein Boot bauen lassen, hatte er ein genaues Bild davon, wie es sich verhalten und was es leisten sollte. Die Bootsbauer passten die Konstruktion immer wieder an. An die Naturgegebenheiten des Fahrtgebietes, an die Nutzung des Bootes, an die Vorstellungen des Eigners von Segel- und Fahrteigenschaften und den Wunsch nach Sicherheit für Leib und Leben.


Die Schiffe der Wikinger und die Boote ihrer Nachfahren im gesamten Norden zeugen von hoher handwerklicher Kunst, konstruktivem Verständnis und ästhetischem Sinn.
Immer wieder finden sich in ihnen die charakteristischen Eigenschaften –
leichter Lauf, geringes Gewicht, Flexibilität und Tragfähigkeit.

Wie baut man ein Boot?
Wie baut man die gewünschten Eigenschaften "ein" und lässt es zudem noch schön aussehen?

- dies zu zeigen, gehe ich 2013 mit meinem Bootsbauplatz auf Wanderschaft.
Die Helling wird auf einen Trailer gesetzt und rollt mit mir durch die Lande –
wohin ihr wollt.

Stævnsmeden på færde
Bootsbau auf Wanderschaft

Konstruktionszeichnung Sognefaering

Auf der Helling wird ein Faering – ein kleines norwegisches Boot – entstehen. Von der Kiellegung bis zum Stellen des Mastes -

  • demonstriere ich Bautechniken und Werkzeuge, die im Bootsbau zur Anwendung kamen und kommen,
  • erkläre ich, wie die Bootsform gedacht und verwirklicht wird,
  • zeige ich, wie das individuelle Wesen des Bootes "vermessen" wird, wie man mit dem Körper misst und mit dem Auge zusammen fügt.

Das Original, nach dem ich mich richte, stammt aus dem Sognefjord. Es wurde dort um 1860 gebaut und repräsentiert sehr gut die alte, leichte Form der Sogn-Boote aus West-Norwegen.

Abmessungen

Länge: 5,60 m
Faering vom SognefjordBreite: 1,40 m
Seitenbordhöhe: 46 cm + 8 cm Kiel
Tiefgang (abgeladen): 32 cm
Segelfläche: 7,2 m2

Die Planken, die vorn und achtern unmittelbar am Kiel befestigt sind, haben eine starke Windung, die mit der Axt geformt wurde. Sonst sind die nur 12 mm starken Planken aus gesägtem Holz gemacht. Steven und die Teile der Spanten sind aus ausgesuchten Krummhölzern herausgearbeitet.

Der tragende Teil des Rumpfes ist in 2 Räume aufgeteilt, die durch 3 Spanten begrenzt werden. Über den Spanten liegen die drei Duchten (Sitzbretter), auf denen der Steuermann und die beiden Ruderleute Platz finden. Ein zusätzlicher Halbspant im vorderen Bereich stützt den Segelhals (die vordere Segelecke).


Ich habe mich für dieses Boot entschieden,
weil es noch eine nahe Verwandschaft zu den Booten der Wikinger zeigt.

Kai Zausch
Stævnsmeden

 

Eine Aktion der