Wikingerschiffe E-Mail

WikingerschiffeDie Wikinger waren vor allem wegen ihres kriegerischen Auftretens berüchtigt und später berühmt. Doch was wir heute über die Schiffe der Nordleute wissen, zeigt nicht nur schildbewährte Langschiffe mit Drachenköpfen und rot-weiß-gestreiften Segeln. Es gab eine ganze Bandbreite verschiedener Schiffs- und Bootstypen. Sie waren den jeweiligen Verhältnissen im Fahrtgebiet angepasst und oft für eine oder mehrere Arten der Nutzung gebaut.
Nach der Auslegung für einen bestimmten Zweck lassen sich relativ klar zwei Typen ausmachen -

  • das für seine Länge sehr schmale Kriegsschiff, ausgerüstet mit einer Vielzahl von Rudern und einem Rahsegel und
  • das ebenfalls nicht unelegante aber wesentlich breitere, gedrungenere Handelsschiff, dessen Hauptantrieb das Rahsegel war.

Daneben gab es eine große Anzahl von Fahrzeugen, die auf vielfältige Weise genutzt werden konnten, oder deren Rumpf ggf. an eine andere Nutzung angepasst wurde.

  • In dieser großen Gruppe ließen die unterschiedlichen regionalen Bedingungen eine Vielfalt und Variation zum selben Thema entstehen, die schwer zu überschauen ist.

Fast ebenso ist es mit den Wikingerschiffen, die heute wieder auf den Meeren, Seen und Flüssen unterwegs sind. Sie sind allesamt keine Originale. Rekonstruktion, Nachbau, Kopie, Replik, freie Nachbildung oder reine Fantasie - die Vielfalt der Konzeptionen ist beträchtlich. Der Grund für diese Vielfalt ist aber nicht mehr die Anpassung an die Verhältnisse auf See oder an die Art der Nutzung. Vielmehr richten sich die Konzeptionen nach den finanziellen Möglichkeiten, den praktischen Gegebenheiten, wie Trailergröße oder Straßenspurbreite oder den handwerklichen Vorlieben der Erbauer. Doch es dreht sich immer wieder auch um Authentizität. Jeder Nachbau möchte nah am Original liegen, aber -

Was machte die Schiffe der Nordleute so besonders? Gibt es bestimmte Merkmale, an denen man sie erkennt - mit denen man unterscheiden kann, was Rekonstruktion des Originals und was freie Nachbildung ist?

Im Folgenden wird versucht, einige Merkmale auszumachen, mit Hilfe derer man Nachbauten grob charkterisieren kann.

Nr. Merkmal
vorhanden


ja nein
0
Orientierung an einem Original
Wer sich an keinem Original orientiert, schafft eine These, aber kein Wikingerschiff.


1

radial oder tangential gepaltenes Eichenholz
Der Einsatz einer Säge für die Herstellung von Brettern (Planken) war unüblich. Planken entstehen durch das Spalten eines ganzen Stammes und das spätere Behauen der Stücke mit Beilen oder Dechseln.


2

(horizontal) geklinkerte Plankenverbindungen
Die Planken überlappen einander entlang der Längskanten. Die jeweils obere ist außen ein Stück weit über die untere geschoben.


3

(vertikal) Plankenverbindung mit Schräglasche
Ein Plankengang besteht in Längsrichtung aus mehreren Teilen. Sie sind untereinander mit einer spitz zulaufenden Schräglasche verbunden.


4

Verzierungen der Bauteile
Die Planken und Bauteile des Spantgerüstes sowie ggf. Reparaturstücken waren meist mit rillenartigen Längsverzierungen versehen.


5

leimlose Verbindungen
Die Handwerker des frühen Mittelalters kannten keine dauerhaften und wasserfesten Klebemittel, die Nägeln oder Nieten ersetzen konnten.


6

geschmiedete Klinknägel
Alle zur Verbindung der Einzelteile verwendeten Nägel sind aus reinem Schmiedeeisen handgeschmiedet.


7

vierkantig geschmiedete Klinkscheiben
Die zur Entstehung einer Nietverbindung auf die Nagelschäfte aufgetriebenen Scheiben sind ebenfalls handgeschmiedet. Sie werden von flachem Bandeisen abgeschrotet und gelocht.


8

Kalfat aus Naturhaar
Die Dichtmasse zwischen den Planken besteht aus gedrillten oder gefilzten Naturhaaren von Schaf, Kuh, Hund oder Mensch.


9

Verwendung von Krummholz
Gekrümmte Schiffsteile wie Spanten, Knie, Steven wurden nach Wuchs für die jeweilige Position ausgesucht und bearbeitet.


10

Befestigung der Spanten mit Holznägeln oder Nähtechnik
Die Spantteile wurden mit Holznägeln an der Plankenhülle befestigt oder in besonderer Weise an auf den Spanten stehengelassene Klampen genäht.


11

Rahmenspant in einer Ebene
Die meisten Querversteifungen des Rumpfes waren aus mehreren Teilen zusammengesetzt. Diese Elemente (Bodenwrange, Balken + Knie oder Biten, Auflanger) waren übereinander angeordnet und in einer Ebene (nicht überlappend nebeneinander) befestigt.


12

originale Anzahl der Plankengänge
Das prägt entscheidend die äußere Erscheinung und den Aufbau der Rumpfschale.


13

originale Raumaufteilung
Anzahl und Aufteilung der Spanten wie beim Original – hierin bildet sich die Nutzung des Schiffes ab und ist die Grundlage für das richtige Zusammenspiel von Rigg, Rumpf und Ruder gelegt.


14 lose eingelegte Decks
Es gibt keine durchlaufenden, wasserdichten Decks. Die Laufplanken im Boot (Plichten) sind wie die erhöhten Decks vorn und achtern nur lose eingelegt.
15

Seitenruder
Die Position im achteren Bereich seitlich rechts war vorherrschend.


16

Rudervitje
Das Seitenruder ist mittels eines aufgedrehten durch Ruderwarze und Ruderspant geführten (Birken-) Stämmchens befestigt.


17

Tauwerk aus Naturmaterialien
Das stehende und laufende Gut der Takelage bestand aus gedrehten oder geflochtenen Bastfasern, Pferdehaar, Leder, oder Hanf.


18

Segel aus Naturfasern
Die Segel waren aus Wolle oder Leinen (Flachs) gewebt, wurden in parallel laufenden Bahnen zusammengenäht und mit einem Liektau umrandet.


19

Rahsegel
Das vierkantige, einfache Rahsegel war die vorherrschende Segelform.

 

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radial oder auch tangential gespaltenes Plankenholz

Der Einsatz einer Säge für die Herstellung von Brettern (Planken) war unüblich. Planken entstehen durch das Spalten eines ganzen Stammes und das spätere Behauen der Stücken mit Beilen oder Dechseln.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 11. Mai 2012 um 19:16 Uhr