Rahsegelboote - Seite 3 PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail

Deutschland

Dziki KonMan findet entlang der deutschen Küste wenig Hinweise auf Boote mit einfachem Rahsegelrigg. In der Zeit und auf dem Territorium nach 1945 scheint das Rahsegel bereits ganz außer Gebrauch zu sein. Boote, die vielleicht ursprünglich ein Rahsegel getragen haben, wurden verändert, an neue Riggformen angepasst und gelten in dieser Form ebenso schon als museal.
Erst die Auseinandersetzung mit archäologischen Funden hat die Existenz von Booten, die ein einfaches Rahsegel getragen haben, wieder zutage gebracht.

Die Koggen

Bremer Kogge1962 wurde aus der Weser das Wrack einer erstaunlich gut erhaltenen Kogge geborgen. Lange Zeit hatten Wissenschaftler und die interessierte Öffentlichkeit auf einen solchen Fund gewartet. Endlich wurde die Kogge der Hansezeit, die man bis dato nur aus Texten, von Bilder, Münzen oder Siegeln kannte, materiell fassbar. Sie trug ein Rahsegel, das wusste man von den unzähligen zeitgenössischen Darstellungen. Am Fundort des Wracks hatte sich allerdings nichts vom Rigg erhalten. Es musste rekonstruiert werden. Der Bremer Fund war Vorbild für weitere Nachbauten.
Bei der in Kiel gebauten Kogge bemühte man sich besonders um einen originalgetreuen Nachbau und ermittelte nach der Fertigstellung auf experimentelle Weise die Segeleigenschaften. Das geschah ohne die mittlerweile übliche bordeigene Maschine.

Ubena von Bremen Kieler Kogge Roland von Bremen

KoggentreffenEnde der 90-iger Jahre machten Unterwasserarchäologen in schneller Folge weitere Koggenfunde in zum Teil differierender Bauart. Der Poeler Koggenfund wurde mit dem Ziel einen Nachbau zu fertigen rekonstruiert und 2001 in Wismar auf Kiel gelegt.

 

Die Slawenboote

Ralswiek-2-FundWenig später nach der Entdeckung der Bremer Kogge fand man 1967 in Ralswiek auf Rügen nach und nach 4 geklinkerte Fahrzeuge aus dem frühen Mittelalter, die aufgrund ihrer Bauart als altslawische Boote ausgewiesen wurden. Eines davon, Fund 2, zeigte deutliche Spuren eines Rahsegelriggs. Auch hier fand man keine handfesten Hinweise zum ursprünglichen Aufbau der Takelage (kein Mast, kein Segel, kein Tauwerk). Das Rigg dieses Bootes konnte jedoch nach Untersuchungen in Dänemark und Deutschland von Eric Andersen (Marinearchäologisches Forschungszentrum Roskilde) rekonstruiert werden. Bialy KonMan hatte in Dänemark mit den Skuldelev-Funden bereits so viele Erfahrungen gesammelt, dass dies möglich war. Nach der Konservierung nahm man 1996, zwei verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten des Fundmaterials folgend, zwei originalgetreue Nachbauten des Ralswiek-2-Bootes in Angriff. Die Bauten erregten als erste wirklich originalgetreue Nachbauten in Deutschland viel Aufsehen. Da eine Nachnutzung aber nicht „geplant“ war, verschwanden sie, nach gelungenen Testreisen, 2005 als Fahrzeuge von der Bildfläche.

Der Bootsfund Ralswiek-2 diente noch einigen anderen Nachbauten als Vorlage, die jedoch nicht mehr in originaler Bauweise umgesetzt wurden, aber heute noch in Fahrt sind.

Dragomira Svarog Ukrasvan

PerunAuf Anregung des LA für Kultur und Denkmalpflege MV wurde auf der BUGA-Schwerin 2010 ein weiteres Boot in slawischer Bauweise gebaut. Es ist die Konstruktion eines nicht durch Funde belegten kleineren Bootes slawischer Bautradition. Das Boot ist als Sechs-Riemen-Boot konzipiert und trägt ein 10,5m2 Rahsegel. Fahrzeuge dieser Größenordnung haben zweifellos existiert - ob in dieser Form, das muss die Archäologie ans Licht bringen.

Die Wikingerschiffe

Hugin & Munin Wikthor Kari

Sie bilden die dritte Kategorie der Rahsegelboote in Deutschland. Hierzulande jedoch kann man den freizügigen Nachbau originaler Funde aus der Wikingerzeit fast schon traditionell nennen. Der Fantasie und dem Pragmatismus sind kaum Grenzen gesetzt. Herausragende Merkmale der Wikingerschiffe sind oft auf die verzierten Drachenköpfe reduziert – schön, aber ungenau.
Aber -  hier soll kein Pranger errichtet werden. Aus Rücksicht auf die differenzierten Motive und Ziele der Erbauer werden die Boote an anderer Stelle vorgestellt (siehe: >Bootsregister<).

Norland Skalden Skidbladnir Tyrkir

Schleswig, seit jeher ein bedeutender Ort im „Wikingerland“ Schleswig-Holstein rang lange mit dem Nachbau des Skuldelev-3-Schiffes. Mit der Fertigstellung 2004 war zwar keine originalgetreue Kopie in der Art der dänischen Schiffe geschaffen, aber man verzichtete auf schmückendes Beiwerk und lag so sehr nahe am Erscheinungsbild der Vorlage.

Sigyn

 

 

 



Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 16. Februar 2012 um 19:04 Uhr